Kaltkeimer – Wie gelingt die Aussaat der geduldigen Naturkünstler und was sind Kaltkeimer eigentlich?

Bestimmt weißt du schon, wie unterschiedlich Samen an sich sein können – Form, Farbe, Größe… Aber wusstest du auch, dass man sie in der Botanik typischerweise hinsichtlich ihrer Keimungsart unterscheidet?

Die Unterscheidung basiert dabei auf ihrem Lichtbedarf und den Umwelt-/ Temperaturbedingungen, die die Samen zur Keimung brauchen. So gibt es beim Blick auf den Lichtbedarf sogenannte Lichtkeimer und Dunkelkeimer. Und was die Temperatur angeht? Da gibt es die Unterscheidung von Warmkeimern und Kaltkeimern.

In diesem Blogbeitrag möchten gemeinsam mit dir entdecken, was Kaltkeimer eigentlich auszeichnet, welches Phänomen hinter den cleveren Naturkünstlern steckt und mit welchen Tipps und Tricks die Aussaat von Kaltkeimern am besten gelingt. Außerdem findest du hier auch eine übersichtliche Liste mit verschiedenen Kaltkeimern – von Blumen und Stauden, über Kräuter, bis hin zu Obst und Gemüse.

Was sind Kaltkeimer?

Kaltkeimer sind Pflanzen, die einen Kältereiz bzw. eine längere Kälteperiode mit Frost oder Temperaturen knapp über 0 °C benötigen, um im Frühjahr keimen zu können.

In der Welt der Pflanzen sprechen wir von sogenannten “Kaltkeimern” zusammengefasst für Frostkeimer und Kühlkeimer. Während Frostkeimer knackig kalte Temperaturen benötigen, um aus ihrem Winterschlaf zu erwachen, sind Kühlkeimer an mildere Winter gewöhnt und beenden ihre Samenruhe schon bei etwas wärmeren Bedingungen.

Bei vielen unserer heimischen Pflanzen handelt es sich um Kaltkeimer. Wenn du sie anziehen möchtest, bietet sich idealerweise eine Aussaat im Freiland im Spätherbst ab Oktober an. So können die Pflanzen den Winter über im Freien verbringen und automatisch ihre Keimhemmung überwinden.

Kühle Temperaturen führen nämlich dazu, dass biochemische Prozesse in Gang gesetzt werden. Manche Samen müssen mehrere Wochen kalt liegen, andere über Monate hinweg. Je nach Pflanze sind Zeitraum der Kälteperiode und optimale Temperatur unterschiedlich. Ein guter Richtwert sind etwa 0 bis 5 °C über 4-8 Wochen hinweg.

Welches Phänomen steckt hinter den Kaltkeimern?

Wenn sich Saatgut in einer Samenruhe, der sogenannten Dormanz, befindet, kann das verschiedene Gründe haben. Häufig ergibt sich diese Ruhephase sogar durch eine Kombination unterschiedlicher Faktoren wie z.B. ungünstigen Umweltbedingungen wie Trockenheit, keimhemmende Stoffe im Samen, ein nicht vollständig entwickelter Pflanzenembryo oder eine sehr harte Samenschale.

Bei den Kaltkeimern entsteht die Samenruhe insbesondere durch die keimhemmenden Stoffe im Inneren. Kaltkeimer sind häufig Pflanzen, die bereits sehr früh im Jahr ihre Samen produzieren. Da sie aber nicht kräftig genug wären, um zu überleben, keimen sie nicht direkt nach der Reife, sondern erst im darauffolgenden Jahr. Das hochkonzentrierte Pflanzenhormon Abscisinsäure ist dafür verantwortlich, dass die kälteempfindlichen Pflanzen nicht bereits im Herbst keimen und während des Winters erfrieren – es hält die Pflanzen quasi im Winterschlaf. Stattdessen keimen diese Pflanzen erst im Frühjahr, wenn die Temperaturen wieder steigen.

Die Überwindung der Keimhemmung passiert im Zusammenhang mit einem biochemischen Prozess. Durch Kälte ausgelöst, werden Hemmstoffe wie Abscisinsäure nach und nach abgebaut. Irgendwann ist die hemmende Wirkung des Pflanzenhormons so gering, dass die Keimung einsetzen kann.

Im Freiland findet die Kälteeinwirkung ganz natürlich statt. Im Kühlschrank oder Gefrierfach kann sie aber auch künstlich nachgestellt werden. Wie das funktioniert, verraten wir dir hier .

Liste von Kaltkeimern

BLUMEN & STAUDEN
Akelei
Adonisröschen
Alpenveilchen
Aronstab
Aster
Christrosen
Clematis
Eisenhut
Enzian
Fetthenne
Flammenblume
Frauenmantel
Glockenblume
Königskerze
Kornblume
Kornrade
Kuhschelle
Lavendel
Lichtnelke
Löwenmäulchen
Mohn
Narzisse
Pfingstrose
Primel
Schlüsselblume
Silberblatt
Stiefmütterchen
Veilchen
Vergissmeinnicht

KRÄUTER
Arnika
Brennnessel
Dill
Gundermann
Hopfen
Salbei
Salbei
Sauerampfer
Schnittlauch
Waldmeister

GEMÜSE
Bärlauch
Kerbelrübe
Meerkohl
Salat

OBST
Apfel
Birne
Haselnuss
Heidelbeere
Kirsche
Mirabelle
Rosengewächse
Walnuss
Wildobst
Zwetschge

Wie sät man Kaltkeimer im Freiland aus?

Um Kaltkeimern erfolgreich zum Keimen zu verhelfen, bietet sich die Aussaat im Spätherbst im Freiland an. Dadurch können die Samen den Winter über im Freien verbringen, sind einer natürlichen Kälteperiode ausgesetzt und können dann im Frühjahr mit steigenden Temperaturen aufgehen.

Es ist dabei egal, ob die Aussaat im Beet oder in einem Aussaatgefäß stattfindet, das im Freien steht. Am besten markierst du die Stelle der Aussaat mit einem Pflanzschild, um im Frühjahr noch zu wissen, dass in der Erde Samen schlummern. Meist beginnt die Keimung dann zwischen März und Mitte April, bei steigenden Temperaturen.

Wegwarte Keimling

Den Zauber der Winterruhe imitieren:
Künstliche Kältephase für Kaltkeimer

Mit ein paar Tipps und Tricks gelingt es aber auch über das Jahr hinweg, Kaltkeimer zum Keimen zu animieren. Denn eine sasionunabhängige Möglichkeit besteht darin, die Kälteperiode mithilfe des Kühlschranks zu imitieren. Auch so lässt sich die Samenruhe der Kaltkeimer brechen.

Lasse die Samen für 1-2 Wochen warm vorquellen (bei Zimmertemperatur). Im Anschluss kannst du eine Schale mit einer Mischung aus ⅔ Anzuchterde und ⅓ Sand vorbereiten und das Gemisch befeuchten. Lege die Samen in die Schale mit dem feuchten Sandboden und lasse sie für 4-6 Wochen im Kühlschrank, um den Winter zu simulieren. Es ist wichtig, den ersten Schritt nicht auszulassen, da trockene Samen auch nach einer Kältebehandlung kaum keimen würden.

Für die Aussaat mit Saatpapier bedeutet das: Du kannst die Samen im Saatpapier im Ganzen vorquellen lassen oder bereits in kleine Stückchen auflösen. Lege das feuchte Papier im Anschluss in die Schale mit dem feuchten Sandboden oder gieße das Gemisch aus Samen, Papier und Wasser in die Schale mit dem feuchten Sandboden, um es für den Kühlschrank vorzubereiten.

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