Ysop – Anzucht und Pflege der blaublühenden Gewürzpflanze
Hyssopus officinalis, Ysop, Bienenkraut, Heiliges Kraut, Josefskraut, Essigkraut, Gewürzysop, Duftisoppe
Der Ysop ist eine insektenfreundlicher, mehrjähriger Halbstrauch mit tiefblauen Blüten. Die pflegeleichte Pflanze ist ein wertvoller Nektarlieferant für Schmetterlinge, Hummeln und Bienen und damit eine ideale Wahl für Natur- und Kräutergärten, Steingärten und sonnige Staudenbeete. Seine dekorativen Blüten und aromatischen, leicht bitteren Blätter sind essbar. Mit seinen intensiv Blütenähren in Blau bis Violett bringt der Ysop einen mediterranen Touch in Sträuße.
Hyssopus officinalis
1. Pflanzeneigenschaften
Blüte
Juni–Oktober
Essbare Teile
Blätter, Blüten, Triebe
Wuchshöhe
30–60 cm
Lebenszyklus
mehrjährig
Boden
sandig, trocken, kalkhaltig, durchlässig
Erntezeit
Juni–August
Standort
sonnig, warm
Pflanzabstand
30 cm
Wasserbedarf
gering
Familie
Lippenblütler
Verwendung
Gewürz- und Heilpflanze
Freiland Aussaat
April–Juni
Zimmer Aussaat
ab Februar
Keimdauer
2–3 Wochen
Keimtemperatur
15–20 °C
Keimart
Lichtkeimer
2. Anzucht des Ysops
Ysop ist eine mehrjährige Pflanze, die im Freiland zwischen April und Juni nach dem letzten Frost ausgesät werden kann. Im Zimmer kann die Anzucht bereits ab Februar beginnen. Als Lichtkeimer solltest du die Samen auf der Erde nur andrücken und nicht mit Erde bedecken, da die Pflanze für die Keimung Licht benötigt.
2.1 Keimung
Bei idealen Temperaturen von 15 bis 20 °C keimt Ysop in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Wochen. Es ist sehr wichtig, die Samen bis zur Keimung immer feucht zu halten und sie nicht austrocknen zu lassen, da der Keimungsprozess sonst gestoppt werden kann. Zu Beginn solltest du Anzuchterde verwenden. Diese ist nährstoffarm und hilft jungen Pflanzen dabei, auf der Suche nach Nährstoffen, starke Wurzeln auszubilden. Unserer Erfahrung nach gewährleistet sie einen optimalen Wachstumsstart, da Anzuchterde locker, luftig und feucht ist.
2.2 Keimlinge pikieren
Wenn die Jungpflanzen neben den ersten Keimblättern mindestens ein echtes Blattpaar entwickelt haben und etwa 3-5 cm groß sind, kannst du sie vereinzeln und im idealen Pflanzabstand von 30 cm pflanzen. Das Pikieren fördert ein kräftiges, buschiges Wachstum, da die Pflanzen im Anschluss genügend Platz und Nährstoffe erhalten. Du kannst zum Vereinzeln einen Löffel oder Pikierstab nutzen, um die Keimlinge aus der Erde zu heben.
Gehe aber behutsam vor und greife die Pflanze am Wurzelballen, um ihren Stängel nicht zu beschädigen. Du kannst sie nun in einen neuen Topf mit Erde oder ins Beet setzen. Mit dem Pikierstab kannst du ein Loch für die Pflanze vorbereiten, sie hineinsetzen und andrücken. In der Regel kannst du nun eine nährstoffreichere Erde verwenden. Wenn du einen Topf oder ein Hochbeet nutzt, kannst du auch mit drei Schichten arbeiten (Oben: Pflanzerde, Mitte: Komposterde, Unten: Drainage-Material), um ein gesundes Pflanzwachstum zu erzielen.
Ein kleiner Exkurs
Saatpapier zum Wachsen bringen
Während loses Saatgut direkt verteilt auf Erde ausgebracht, darin leicht angedrückt und mit etwas Erde bestreut wird, startet die Anzucht mit unserem handgeschöpften Saatpapier ein klein wenig anders: Zunächst wird das Saatpapier in kleinen Stückchen über Nacht in einem Glas mit Wasser eingeweicht. Danach werden Wasser und die aufgeweichten Papierstückchen miteinander zu einem breiartigen Gemisch verrührt und gut verteilt auf Erde gegossen. Nun muss die Anzucht hauchdünn mit wenig Erde bestreut und dauerhaft feucht gehalten werden. Erde und Samen dürfen auf keinen Fall (!) austrocknen. Wenn die Pflanzen bei der Keimung austrocknen, gehen sie ein bzw. gar nicht erst auf. Vermeide gleichzeitig aber Staunässe. Bitte lies dir unsere allgemeine Anleitung für die Anzucht von Saatpapier durch, bevor du mit der Anzucht startest und befolge die einzelnen Schritte.
3. Pflege des Ysops
Beim Ysop handelt es sich um ein äußerst pflegeleichtes Würz- und Heilkraut. Der Pflegebedarf ist minimal, da der Wasserbedarf vom Ysop gering ist und du ihn erst gießen solltest, wenn der Boden bereits gut abgetrocknet ist. Beim Düngen darfst du ebenfalls sparsam sein, da zu viele Nährstoffe dem Aroma bloß schaden würden. Es genügt eine kleine Kompostgabe im Frühjahr. Im Freiland ist Ysop winterhart. Bei extremem Frost, kannst du ihn mittels Laub oder Reisig vor Kälte schützen.
Ein Rückschnitt fördert die Verzweigung und dichte Form der Pflanze. Im zeitigen Frühjahr kannst du den Ysop vor dem Neuaustrieb etwa um die Hälfte zurückschneiden. Achte darauf, dass du nicht im alten, verholzten Bereich schneidest, sondern knapp oberhalb.
3.1 Wasserbedarf
Als mediterrane Pflanze ist der Ysop ziemlich trockenheitsresistent und hat nur einen geringen Wasserbedarf. Zu viel Feuchtigkeit und insbesondere Staunässe schaden der Pflanze. Zwischen den Wassergaben sollte der Boden daher immer gut abtrocknen. Im Freiland benötigt der Ysop nach dem Anwachsen kaum zusätzliche Bewässerung. Oftmals kommt er mit dem natürlichen Regen aus und sollte nur bei extrem heißen oder trockenen Phasen durchdringend gegossen werden. Im Topf oder Kübel solltest du etwas häufiger kontrollieren, ob die Erde bereits trocken ist. Es ist wichtig, dass das Wasser im Topf immer abfließen kann. Übermäßiges Gießen kann dazu führen, dass das Aroma vom Ysop nachlässt.
3.2 Düngen
Zu viel Dünger schadet dem feinen Kräuteraroma vom Ysop. Er benötigt grundsätzlich nur sehr wenige Nährstoffe. Zum Saisonstart im zeitigen Frühjahr genügt eine einmalige Gabe von Kompost für das gesamte Jahr – sowohl im Freiland als auch bei Topfkultur. Bei sehr nährstoffreicher Erde kannst du im ersten Jahr sogar gänzlich auf Dünger verzichten, da Ysop eher durchlässige, magere Erde bevorzugt.
3.3 Überwinterung
Ysop ist in Mitteleuropa winterhart, sodass er keinen bis lediglich leichten Schutz benötigt. Er übersteht Temperaturen bis etwa -18 °C. Bei extremen Frösten oder im Topf sind dennoch einfache Vorkehrungen ratsam. Mit etwas Vlies, Laub, Tannenzweigen oder Reisig abgedeckt, übersteht er den Winter auf jeden Fall gut. Da der Wurzelballen bei Topfkultur schneller durchfrieren kann, solltest du den Topf an einen geschützten Ort an einer Hauswand stellen und mit Pflanzenvlies isolieren.
Auf den Punkt gebracht
Das Wichtigste für die Anzucht & Pflege des Ysops
Ysop hat essbare Blüten.
Die intensiv blauen Blüten sind vollkommen essbar, schmecken fein würzig-süß und eignen sich hervorragend als farbenfrohe, dekorative Garnitur für Salate, Suppen, Cocktails und Desserts.
Ysop ist eine
wichtige Insektenpflanze.
Mit dem maximalen Nektarwert von 4 zieht der Ysop Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge magisch an und schließt als Spätblüher (bis Oktober) die Nahrungslücke im Herbst. Seine Lippenblüten sind perfekt auf den Rüssel von Schmetterlingen, Bienen und Hummeln abgestimmt. Sein intensiver Duft wirkt wie ein kleiner Magnet.
Ysop ist extrem pflegeleicht.
Der mediterrane Halbstrauch ist winterhart, liebt es vollsonnig und warm und benötigt kaum Wasser und Dünger. Damit ist er ideal für pflegeleichte Gärten und Kräuterspiralen. Ein Rückschnitt im Frühjahr fördert das kräftige, buschige Wachstum. Ansonsten benötigt der Ysop nicht besonders viel Aufmerksamkeit, um gut zu gedeihen.
4. Standort, Boden & Nachbarn
Als mediterranes Würz- und Heilkraut ist der Ysop ein wahrer Sonnenanbeter und wächst am besten bei mindestens 6 Stunden Sonne pro Tag. Idealerweise steht er an einem vollsonnigen, warmen und windgeschützten Standort. Der Ysop bevorzugt durchlässige, nährstoffarme, kalkhaltige und trocken bis sandige Böden. Zu schwere oder nasse Erde kann bei der Pflanze zu Krankheiten wie Wurzelfäule führen. Zur Auflockerung kannst du gut Sand beimischen.
Am besten passt der Ysop im Kräuterbeet oder in der Kräuterspirale in die Nachbarschaft von anderen trockenheitsliebenden, mediterranen Kräutern. Gerade neben Lavendel, Rosmarin, Oregano, Salbei oder Thymian passt er sehr gut. Farblich harmoniert er besonders schön mit luftig leichtem Federgras und Hasenschwanzgras. Im Blumenbeet passt der Ysop aber auch gut zu Phlox, Glockenblumen, Kissenastern und Ehrenpreis. Es gibt tatsächlich nur einen Nachbarn, mit dem der Ysop so richtig auf Kriegsfuß steht: Fenchel.
5. Ernte & Verwendung
Zwischen Juni und August liegt die Haupt-Erntezeit vom Ysop. Die jungen Triebe, Blätter und Blüten können allesamt geerntet werden. Als Küchenkraut ist er mit seinem Aroma vielseitig in verschiedenen Speisen denkbar. Sehr lecker ist er zum Beispiel in Salaten, Soßen oder Suppen. Ansonsten passt er auch gut in Pilz- oder Kartoffelgerichte. Seine essbaren Blüten sind eine hübsche Tellerdekoration. Im Geschmack erinnert das würzige, leicht bittere Kraut, an eine Mischung aus Oregano, Rosmarin und Salbei. Durch seine starke Note empfehlen wir, ihn eher sparsam zu verwenden. Wichtig ist auf alle Fälle, dass du den Ysop nicht mitkochst, da der gute Geschmack beim Erhitzen leider verloren geht.
Als Duft- und Heilkraut soll der Ysop angeblich krampflösend, appetitanregend, schleimlösend, schweißhemmend und verdauungsfördernd wirken. Er besitzt antibakterielle Eigenschaften und wird daher in der Heilkunde oft in Form von Tees, Salben oder direkt als Gewürz in Speisen verwendet.
Durch seine langen, leuchtend blauen Blütenähren kann er Blumensträuße ebenso bereichern. Er zeichnet sich vor allem durch seine lange Haltbarkeit und seinen aromatischen Duft aus. Er eignet sich besonders gut für lockere Wiesen- und Wildblumensträuße und harmoniert farblich hervorragend mit warmen Kontrasten.
Du kannst den Ysop aber auch gut im Garten stehen lassen, denn er ist eine der besten Bienen- und Insektenpflanzen. Er zeichnet sich durch einen sehr hohen Nektarwert aus und lockt neben Honigbienen auch zahlreiche Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen an. Seine Blüten bieten den Insekten bis zum Spätsommer/ Herbst eine reiche Nahrungsquelle.
6. Schädlinge und Krankheiten
Gegenüber Schädlingen ist der Ysop dank seiner intensiven ätherischen Öle ziemlich resistent. So kann sich der Halbstrauch z.B. Kohlweißlinge, Läuse und Raupen durch seinen intensiven Duft ganz gut vom Leib halten. Gelegentlich wird er zwar mal von Blattläusen befallen. Diese lassen sich aber gut mit einem kräftigen Wasserstrahl von der Pflanze abwaschen. Bei zu hoher Feuchtigkeit oder zu dichtem Stand kann der Ysop allerdings Pilzinfektionen bekommen.
7. FAQ
Die Bezeichnung hat sich die insektenfreundliche Pflanze aufgrund drei wesentlicher Eigenschaften verdient. Pflanzen werden nach ihrem Nektar- und Pollenangebot auf einer Skala von 1 (gering) bis 4 (sehr gut) bewertet. Ysop besitzt den maximalen Nektarwert von 4. Hinzu kommt, dass er auch noch in den späten Sommermonaten blüht, während schon viele andere Blumen und Kräuter verblüht sind. Zusätzlich ist die Blütenform des Lippenblütlers optimal an den Rüssel von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen angepasst. Sein aromatischer Duft lockt Bestäuber schon aus großer Entfernung an.
Ja, die Blüten vom Ysop sind essbar und eignen sich als dekoratives Topping für verschiedene Speisen. Die Blüten schmecken würzig und aromatisch, haben eine leicht süßliche Note und schmecken dezent bitter im Abgang. Du kannst mit den Blüten Wildkräutersalate, Frischkäse oder Desserts verschönern oder buntes Kräutersalz mit Blüten herstellen.
Ysop ist aus mehreren Gründen eine hervorragende Schnittblume. Er hält problemlos 7 bis 10 Tage in der Vase, da sich die kleinen Lippenblüten an der Ähre nach und nach von unten nach oben öffnen. Die Stängel knicken im Wasser nicht um und sind sehr stabil. Zudem bringt der Ysop einen angenehmen, würzig-mediterranen Duft in den Wohnraum. Ob als sommerlicher Landhaus-Strauß mit Ringelblumen, Margeriten und Frauenmantel oder als edles Pastell-Arrangement mit Schleierkraut und Phlox… Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt!
Der Ysop ist ein wahres Multitalent. Er lässt sich vielseitig in der Küche, als Heilpflanze, im Garten oder in der Floristik und Kosmetik nutzen. In der Küche ist er ein klassisches Würzkraut und passt perfekt zu schweren Speisen. In der Volksheilkunde wird ihm eine krampflösende, entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung nachgesagt, da er reich an ätherischen Ölen, Gerb- und Bitterstoffen ist. Als Bienenweide oder wunderschöne Zierpflanze erfüllt er im Garten auch seinen Nutzen.
Ja, Ysop ist mehrjährig und winterhart. Er trotzt selbst kalten Temperaturen gut und benötigt zum Überwintern in der Regel keinen besonderen Schutz. Bei Topf- oder Kübelhaltung empfiehlt es sich, die Pflanze zu schützen und an einen windgeschützten Ort nahe einer Hauswand zu stellen. Den Topf kannst du mit Pflanzenvlies oder Jute isolieren.
Für den Ysop tut es vor allem ein vollsonniger, warmer Standort mit einem mageren, gut durchlässigen Boden. Der Ysop liebt Sonne. Je mehr Sonnenstunden er bekommt, desto kompakter wächst er und desto intensiver leuchtet das Blau seiner Blütenähren. Der Boden sollte gut durchlässig sein, damit Wasser schnell abfließen kann. Ansonsten bevorzugt der Ysop einen eher mageren Boden. Ganz oben auf der Kräuterspirale, wo es am sonnigsten ist, kannst du den Ysop perfekt pflanzen. Er wächst aber auch gut an Trockenmauern und in mediterranen Beeten.
Im Kräuterbeet oder in der Kräuterspirale fühlt sich der Ysop in Gesellschaft anderer sonnenhungriger, mediterraner Kräuter besonders wohl. Er ist der ideale Partner für Lavendel, Rosmarin, Oregano, Salbei und Thymian. Einen wunderschönen optischen Kontrast bildet er zudem mit filigranen Ziergräsern wie dem Federgras oder dem Hasenschwanzgras. Auch im klassischen Blumenbeet macht der Ysop eine hervorragende Figur. Hier harmoniert er gut mit Phlox, Glockenblumen, Kissenastern und Ehrenpreis.
Ysop verleiht Salaten, Saucen und Suppen eine wunderbar feine Note und passt hervorragend zu deftigen Pilz- oder Kartoffelgerichten. Da der Ysop seinen Geschmack beim Erhitzen verliert, solltest du ihn aber auf keinen Fall mitkochen, sondern erst am Ende zum Gericht geben.
8. Herkunft & Namensgebung
Ursprünglich kommt der Ysop aus dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten und Westasien. Mit der Zeit hat er sich in ganz Süd- und Osteuropa, sowie in Teilen Nordafrikas verbreitet. Im frühen Mittelalter wurde er sogar schon von den Germanen als Heil- und Würzkraut geschätzt.
Der Name Ysop leitet sich vom hebräischen Wort „esob“ ab. Das bedeutet „Heiliges Kraut“. Bereits im Mittelalter wurde das Heilkraut in europäischen Klostergärten kultiviert – zum Beispiel auch im klösterlichen Kräutergarten von Hildegard von Bingen.
9. Aussehen
Der Ysop ist ein mediterraner Halbstrauch mit tiefblauen Blüten, der eine Wuchshöhe von 30 bis 60 cm erreicht. Er hat viele verzweigte Äste, die ihm sein buschiges Aussehen verleihen. Die kleinen Blätter sind quirlig angeordnet. Etwa ab Juni bis in den Oktober hinein verschönert er das Beet mit seinen leuchtend blauen bis blau-violetten Blüten. Die aufrechten, langen Blütenähren setzen schöne Farbakzente im Beet und harmonieren gut mit anderen Stauden. Nach und nach verholzen die Stiele vom Ysop und er wächst immer kräftiger.
